Udo Jürgens - der wohl erfolgreichste deutschsprachige Musiker unserer Zeit.
Alles Routine, alles Programm? Nicht bei Udo Jürgens. Was er singt empfindet, lebt er. Das spüren die Menschen. Immer lässt er sich vom Gefühl leiten, verbiegt sich nicht, denkt nie taktisch. Dafür lieben ihn seine Fans. Und er liebt sie. Sie sind ihm wichtig. Das zeigt er ihnen. Bleibt ihnen auch als erfolgreichster Künstler im deutschsprachigen Raum, mit rund 100 Millionen verkauften Tonträgern immer verbunden.
Das Beste: Der Erfolg ist ihm nicht zu Kopf gestiegen. Voller Respekt begegnet er allen Menschen - egal aus welchem sozialen Umfeld. Ein Künstler zum Anfassen ist er dennoch nicht. Trotz Bademantel-Auftritt.
Dafür weiß Jürgens zu genau, dass er darin verdammt gut aussieht. Er steht zu seiner Eitelkeit. O-Ton Udo: "Wer auf der Bühne nicht glaubt, dass die Erdachse durch ihn hindurch läuft, der hat auf der Bühne nichts zu suchen. Hinterher muss man allerdings schnell wieder auf den Teppich kommen."
Das ist ihm gelungen. Seine Themen sind kein bisschen abgehoben, kreisen nicht wie die klassische Schnulze nur um Liebe, Triebe, Herz und Schmerz, sondern sind oft tiefgründig, behandeln Alltagsthemen genauso wie die große Politik. Auch hatte er nie Angst vor "heißen Themen", immer das Gespür für Zeitgeistiges. Mit "Der Teufel hat den Schnaps gemacht" (1973) nimmt er augenzwinkernd männliche Selbstüberschätzung auf die Schippe. Beklagt mit "Lieb Vaterland magst ruhig sein" (1971) den fehlenden Wandel im Land und mit "Tante Emma" (1976) den Trend zu den anonymen Verkaufsautomaten der Supermärkte. Ein Moralapostel mit gehobenem Zeigefinger ist er dennoch nicht. Dafür schätzt er zu sehr die Leichtigkeit des Seins. Schafft es, Tausende bei seinem Song "Zeig mir den Platz an der Sonne" zum Mitsingen zu bewegen. Und das bei strömendem Regen. Jürgens: "Für jedes Weinen muss ein Lachen stehen - so wie im Leben." Jürgens Songs sind zeitlos. Zeitlos wie er. Auch mit 76 Jahren ist er unfassbar gut in Form, hält sich mit schwimmen - täglich 500 Meter - fit. Ist ein Fan von Sauna, Dampf- und Kneippbädern. Natürlich ernährt er sich gesund. Klar, ein intensiv gelebtes Leben hinterlässt Spuren. Knitterfältchen, die ihn umso sympathischer machen. "Älter werden ist gar nicht so schwer", so Udo. "Was wirklich schwer ist, ist jung zu sein."
Klickt man auf seine Homepage, begegnet man einem über seine Vita staunenden Jürgens: "Ich schaue zurück, weil es mich selbst fasziniert, was im Laufe meines Lebens alles geschehen ist. Wenn ich meine Biografie lese, dann glaube ich sie fast nicht. "Dass man aus seiner Musik ein tolles Bühnenwerk zaubern kann, das allerdings weiß er inzwischen. Sein bisher von über zwei Million begeisterten Besuchern gefeiertes Erfolgsmusical "Ich war noch niemals in New York" erzählt - eingebettet in 20 seiner Songs - mit Charme und Wortwitz von den Höhen und Tiefen des Lebens und der Liebe dreier Generationen. Eine Story voller Träume, Sehnsucht und Fernweh. Glamourös inszeniert wie ein Broadwaymusical: "Es ist herrlich, als Komponist zu sehen, dass die eigenen Lieder leben - leben auch ohne mich", das empfindet der Ausnahmekünstler als großes Glück. Bescheidenheit ist eine weitere Facette dieses ungewöhnlichen Menschen.
Eines Menschen, dessen Familienbiografie "Der Mann mit dem Fagott" nun
auch verfilmt wurde und bald im Fernsehen zu sehen sein wird. 2009
erhielt "Ich war noch niemals in New York" die "Krone der Volksmusik"
für die beste Musical-Premiere der Saison und den "Live Entertainment
Award" für die beste En-Suite-Veranstaltung des Jahres. Mehr als eine
Bestätigung für Jürgens und seine Überzeugung, dass Theater für die
Menschen da ist. Dafür, ihnen Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen,
mit Musik, die alle fühlen können: "Schon Mozart schrieb für das ganze
Volk - nicht für eine Elite." Im März 2010 hat sich der Vorhang zur
Österreich-Premiere im Raimund Theater in Wien gehoben. Im November 2010
feierte sein Musical im Stage Apollo Theater in Stuttgart Premiere und
natürlich ließ er es sich nicht nehmen persönlich dabei zu sein. "Für
mich ist das ein unglaublich emotionaler Moment", gesteht Jürgens. Ein
Ritterschlag für den Mann mit dem gewissen alles und ein weiterer Beweis
dafür, dass mit sechsundsiebzig noch lange nicht Schluss ist.


