Das kleine Musical-Lexikon

Die wichtigsten Begriffe einfach erklärt

STAGE ENTERTAINMENT:.Disneys HERCULES Das Heldenhafte Musical feiert Weltpremiere...Die Cast und das Kreativteam beim Schlussapplaus anlässlich der Weltpremiere des Musical ‚Hercules‘ im Stage Theater Neue Flora in Hamburg..Photo: STAGE ENTERTAINMENT/Morris Mac Matzen

Was bedeutet eigentlich ...

Dernière, Swing oder Ensemble? Diese Begriffe gehören zum täglichen Vokabular im Musical und werden in der Theater-Szene wie selbstverständlich genutzt. Damit Sie beim nächsten Besuch genau wissen, wovon die Rede ist, haben wir die wichtigsten Fachbegriffe hier für Sie zusammengestellt. Begeben Sie sich in die Welt der Bühnenbegriffe und verstehen Sie, worüber Profis hinter den Kulissen sprechen.

Vorstellungsarten

Was verbirgt sich hinter einer Premiere, Dernière oder Preview?

Was ist eine Premiere?

Die Premiere ist der große Moment: die erste offizielle Aufführung eines neuen Musicals oder die erste Inszenierung an einem Spielort. 

Sie markiert die offizielle Eröffnung des Stücks und ist für alle Beteiligten ein unvergessliches Ereignis. Für die Darstellenden bedeutet sie die Chance, als erste in eine vollkommen neue Rolle zu schlüpfen und dieser ihren ganz persönlichen Stempel aufzudrücken.

Was ist eine Dernière?

Die Dernière ist die letzte Vorstellung eines Musicals oder Theaterstücks an einem Standort und ist das Gegenstück zur Premiere. 

Oft werden kleine Überraschungen oder besondere Momente eingebaut, um den Abschied unvergesslich zu machen. Auch die Fanclubs lassen sich kleine, die Show nicht störende Dankes- und Abschiedsgesten einfallen. 

Beim Schlussapplaus kommen häufig die Regie und Mitglieder des Kreativteams auf die Bühne, bevor die traditionelle Dernièrenfeier den Abend abrundet. Ein emotionaler Moment für Publikum und Ensemble. 

Was ist eine Preview?

Eine Preview ist die Vorstellung eines Musicals, Theaterstücks oder Films noch vor der eigentlichen Premiere. Sie gibt dem Kreativteam die Möglichkeit, die Reaktionen des Publikums zu testen und die Inszenierung bei Bedarf noch zu verändern – sei es durch größere Anpassungen oder kleine Feinschliffe. 

Was passiert bei einem Sing Along?

Als Sing Along werden Musical-Events bezeichnet, bei denen das Publikum ausdrücklich eingeladen ist, gemeinsam mit den Darstellenden zu singen. 

Innerhalb eines festgelegten Rahmens dürfen die Zuschauer:innen die bekannten Songs lautstark begleiten und so selbst Teil der Aufführung werden. Diese besonderen Vorstellungen zeichnen sich durch eine ausgelassene, fast konzertartige Atmosphäre aus.

Sing Alongs schaffen Nähe zwischen Bühne und Publikum und lassen Musicalgeschichten auf eine besonders lebendige, gemeinschaftliche Weise erlebbar werden. 

Was ist ein Jukebox Musical?

Bei einem Jukebox Musical besteht die Musik aus bereits bekannten Songs berühmter Bands oder Künstler:innen. 

Anders als bei klassischen Musicals wurden die Lieder nicht speziell für das Stück komponiert – die Handlung wird vielmehr um die bestehenden Songs herum entwickelt. Einzelne Lieder können dabei neu arrangiert oder, wenn rechtlich möglich, auch textlich angepasst werden. 

Bei den besten Jukebox Musicals sind die Texte und die Emotionalität der Songs handlungsvorantreibend, statt diese zu unterbrechen. Ein klassisches Beispiel dafür ist MAMMA MIA!. 

Was sind Ensuite Produktionen?

Eine Ensuite Produktion ist eine Show, die über einen längeren Zeitraum an einem Spielort läuft. Jede Woche werden meist bis zu acht Vorstellungen des gleichen Stückes gespielt. 

Disneys DER KÖNIG DER LÖWEN, welches seit 2001 in Hamburg im Theater am Hafen läuft, ist eine klassische Ensuite Produktion. Aber auch Musicals und Shows, die nur einige Monate oder Jahre laufen, gelten als Ensuite Produktionen, da sie nicht von anderen Stücken unterbrochen werden. 

Das Konzept wechselnder Aufführungen im selben Spielort wird Repertoire Theater genannt. 

Musicaldarstellende

Was macht ein Swing, Cover oder Alternate?

Wer ist Teil des Ensembles?

Ein Ensemble bezeichnet allgemein eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam auftreten, sei es im Tanz, Gesang oder Schauspiel. Im Musical umfasst das Ensemble alle Darstellenden, die an der Inszenierung mitwirken

Wenn man sich über die Besetzung einer Show informiert, taucht der Begriff „Ensemble“ auch immer wieder als Rollenbezeichnung auf  – hier meint er alle Darstellenden mit Ausnahme der Hauptrollen. Eine besondere Gruppe innerhalb des Ensembles stellen die Swings dar – siehe die Definition weiter unten. 

Was ist ein Alternate?

Die alternierende Besetzung, auch „Alternate“ genannt, steht für die parallele Besetzung einer Hauptrolle in einem Musical. 

Anders als die Zweitbesetzung, auch „Cover“ genannt, hat das Alternate eine vertraglich festgelegte Anzahl an Shows pro Woche, in denen es die Hauptrolle übernimmt – daher der Name „alternierend“, also abwechselnd. In der Besetzungshierarchie steht das Alternate noch vor Cover und Swing. Meist werden nur die größten Hauptrollen alternierend besetzt. 

Was macht ein Swing?

Ein Swing ist ein Darstellender, der bei Bedarf für verschiedene Rollen im Ensemble einspringen kann. Auf Deutsch wird diese Position oft auch „Einspringer:in“ genannt. 

Das ist künstlerisch anspruchsvoll, und gleichzeitig garantiert es, dass Urlaube und Ausfälle problemlos aufgefangen werden können. Swings sind sogar in der Lage, auch während einer Aufführung Parts zu wechseln und sorgen so dafür, dass jede Vorstellung störungsfrei über die Bühne geht. 

Was ist ein Cross-Swing?

Diese Darstellenden können flexibel zwischen männlichen und weiblichen Rollen wechseln oder vom Gesangsensemble ins Tanzensemble und wieder zurückspringen. Cross-Swings sind echte Allrounder, die mit ihrer Vielseitigkeit dafür sorgen, dass jede Aufführung reibungslos läuft – egal, welche Rolle gerade gebraucht wird. 

Was macht ein Cover?

Ein Cover ist die Zweitbesetzung einer Haupt- oder Nebenrolle, und sie springt ein, wenn die Erstbesetzung krank ist, im Urlaub weilt oder aus anderen Gründen verhindert ist. 

Häufig handelt es sich dabei um ein Ensemble-Mitglied, das gleichzeitig kleinere Rollen auf der Bühne übernimmt. Das Cover beherrscht Text, Gesangsstücke und Bewegungen der zugeteilten Rolle perfekt und sorgt dafür, dass jede Aufführung reibungslos abläuft. 

In der Hierarchie steht das Cover hinter der alternierenden Besetzung. Beide Rollen sorgen auf ihre eigene Weise für mehr Flexibilität und sichern eine reibungslose Show.

Was macht ein Walk-In Cover?

Ein Walk-In Cover ist ein Darstellender, der mehrere Hauptrollen spielen kann und bei Ausfällen kurzfristig einspringt. Im Gegensatz zu einem Swing oder Cover übernehmen sie keine weiteren Ensemblerollen. Dank Walk-In Covers kann sichergestellt werden, dass die Aufführung selbst bei unerwarteten Ausfällen der Hauptrolle gespielt werden kann. 

Was passiert beim Casting?

Ein Casting ist der Auswahlprozess, bei dem Schauspieler:innen, Tänzer:innen und Sänger:innen für die verschiedenen Rollen eines Musicals ausgewählt werden. 

Der Begriff stammt vom englischen „to cast“ – ursprünglich so viel wie „gießen“ oder „einen Abdruck erstellen“. Beim Casting zeigen die Bewerber:innen ihr Können durch Vorsprechen, Vorsingen oder kurze Tanzeinlagen. So beurteilt das Casting-Team, wer am besten zur Rolle passt. Dabei wird nicht nur auf Talent, sondern auch auf Ausstrahlung und Gesamtwirkung geachtet.

Was sind Off Shows?

Die Off Shows eines Darstellenden sind die Vorstellungen, bei denen sie oder er nicht auf der Bühne steht. Für diese Vorstellungen wird die Rolle dann von einem anderen Ensemblemitglied übernommen. Die Musicaldarstellenden einer Produktion haben unterschiedliche geplante Off Shows, so dass auch bei Urlaub und Ausfällen keine Vorstellung abgesagt werden muss. 

Musicalmetropolen

Was sind der Broadway und das West End?

Was ist der Broadway?

Der Broadway ist weit mehr als nur eine Straße in Manhattan, New York. Er ist das Herz der internationalen Musical- und Theaterwelt und umfasst mehrere Blocks rund um den Times Square, ca. zwischen der 40th und 50th Street. In etwa 40 renommierten Theatern werden hier die erfolgreichsten Produktionen gezeigt, die Besucher:innen aus aller Welt anziehen. 

Geschichte schrieb unter anderem Charles Frohman: Mit dem Empire Theater brachte er das erste Theaterhaus auf den Broadway und gründete 1896 das Theatrical Syndicate. 

Die geographischen Begebenheiten des Broadways erleichterte Theatermanager:innen, Schauspieler:innen und Produzent:innen die Organisation von Terminen und Aufführungen und legte damit den Grundstein für den heutigen Broadway-Ruhm. 

Was ist das West End?

Das West End in London ist das Herzstück des britischen Theaters – vergleichbar mit dem Broadway in New York. Im Stadtteil Westminster reiht sich ein Theater an das nächste und zieht Besucher:innen aus aller Welt an. 

Das erste Theater im West End eröffnete 1663 Thomas Killigrew mit dem Theatre Royal an der Drury Lane. Er setzte damit das Fundament für das berühmte Theaterviertel, das bis heute für hochkarätige Musical- und Theaterproduktionen steht. 

Backstage

Was bedeutet Stage Management, Quick Change oder Seitenbühne?

Wer sind die Creatives einer Show?

Die Creatives bilden das Kreativteam, das gemeinsam das Musical entwickelt. Dazu gehören Komposition, Buch, Regie, Bühnenbild, Choreographie, Licht, Ton, Kostüm, Maske, musikalische Supervision, Orchestrierung, Casting und je nach Produktion weitere kreative Gewerke. Sie sorgen gemeinsam dafür, dass Musik, Schauspiel und Tanz auf der Bühne zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfinden. 

Was macht das Stage Management?

Das Stage Management steuert den Ablauf der Show und ist für die Probenplanung verantwortlich. Besonders wichtig für einen reibungslosen Showablauf sind im Stage Management die Caller:innen. Sie geben während der Show die Befehle und Anweisungen für alles, was auf der Bühne passiert und sind über Funktechnik mit den verschiedensten Bühnenarbeiter:innen und allen relevanten Personen vernetzt.

Was gehört zum Backstage Bereich?

Backstage ist der Bereich hinter der Bühne und wird häufig auch Hinterhaus genannt. Dort sind Probenbühne(n), Büros und Verwaltungstrakt, Garderoben, Maskenräume oder Werkstätten zu finden. Der Bereich gilt bis zum Bühnenrand. 

Der dem Feuerschutz dienende Eiserne Vorhang trennt Backstage vom Vorderhaus – dem vorderen Bereich eines Theaters mit dem Saal und Foyer, die für das Publikum zugänglich sind.

Was passiert auf der Seitenbühne?

Die Seitenbühne liegt neben der Hauptbühne und ist für das Publikum nicht einsehbar. Hier werden Kulissen, Requisiten und Darstellende für den Auftritt und Szenenwechsel vorbereitet. In einigen Theatern dient die Seitenbühne auch Probenzwecken.

Was ist ein Quick Change?

Ein Quick Change ist ein schneller Kostümwechsel während der Show. Die Darstellenden haben teilweise nur wenige Sekunden Zeit, bis sie für die nächste Szene auf der Bühne stehen müssen. Hierfür bekommen Sie Unterstützung von den Dresser:innen, die für die Garderobe der Cast zuständig sind. 

Proben

Was passiert bei einer Sitzprobe, einem Dress Rehersal oder Fight Call?

Was ist eine Sitzprobe?

Die Sitzprobe ist der Moment, an dem die Darstellenden und die Musiker:innen das erste Mal zusammen kommen – für alle Beteiligten ein besonderer Tag des Produktionsaufbaus, denn zuvor haben beide Gruppen ihre Parts getrennt geprobt. 

Noch ohne Kostüme und Requisiten und ohne choreographierte Bewegungen wird die Show einmal komplett durchgesprochen und -gesungen – meist im Sitzen, daher der Name. Übrigens: Dieser deutsche Begriff hat sich auch im internationalen Spielbetrieb durchgesetzt.

Was bedeutet Cast on Stage?

Im Produktionsaufbau bedeutet Cast on Stage, dass die Darstellenden auf der Hauptbühne proben. Die ersten dieser Proben finden meist einige Wochen vor der Premiere statt. Zuvor hat die Cast das Stück auf der Probenbühne gelernt und einstudiert. 

Was ist das Dress Rehearsal?

Das Dress Rehearsal ist die letzte Probe in Kostüm vor der ersten Aufführung vor Publikum. Der Fokus liegt hier speziell auf den Kostümen. Es wird geprüft, ob sie alle Szenen aushalten, ob alle Quick Changes funktionieren und ob noch etwas angepasst werden muss.

Was passiert beim Fight Call?

Bei einem Fight Call werden alle Kampfszenen, die in einer Show vorkommen, einmal durchgespielt. Das passiert vor jeder Vorstellung. 

So sollen Fehlern und daraus entstehende Verletzungen vorgebeugt werden. Diese Szenen sind körperlich sehr anstrengend und erfordern höchste Konzentration und Vertrauen in die Szenenpartner:innen. Da nicht jeden Abend die gleiche Cast auf der Bühne steht, ist es wichtig, vor jeder Show diese Szenen durchzugehen und sich aufeinander einzustellen. 

Was ist ein Put In?

Das Put In ist die Generalprobe auf der Bühne mit Kostüm und Maske für einzelne, neu besetzte Positionen im laufenden Spielbetrieb. Das kommt immer dann vor, wenn es einen Cast Wechsel gibt oder ein Cover für eine neue Rolle einspringt. Die neuen Darstellenden haben vorher häufig nur einzelne Szenen geprobt oder bei Aufführungen und Proben zugeschaut. 

Die Musicalwelt ist bunt, aufregend und voller Fachbegriffe, die im Backstage-Alltag ganz selbstverständlich fallen. Egal, ob Sie zum ersten Mal ein Musical besuchen oder schon Erfahrung haben – mit diesem kleinen Glossar kennen Sie die wichtigsten Begriffe und verstehen, was auf und hinter der Bühne passiert.

STAGE ENTERTAINMENT: HAMILTON - DAS MUSICAL .DEUTSCHLAND-PREMIERE IM STAGE OPERETTENHAUS IN HAMBURG..Die Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller auf der Bühne beim Schlussapplaus, anläßlich der Deutschland-Premiere des Musicals HAMILTON von Stage Entertainment, im Stage Operettenhaus in Hamburg am 06. Oktober 2022..Photo: Morris Mac Matzen, Photography/mmacm.com für STAGE ENTERTAINMENT